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Dienstag,
17. Juli 2018
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Adventszeit in der Schule von ihrer heiter-schrägen Seite

1.12.2013 Die Adventszeit hat besinnliche, aber auch allerlei komische Seiten. Darauf möchten wir mit einem Text aus dem Buch "Von Schülern, Eltern und anderen Besserwissern – Aberwitz im Schulalltag" (Piper Verlag) einstimmen. Die aus Jena stammende Autorin Gabriele Frydrych hat uns die Zeilen zur Verfügung gestellt. In Büchern und Zeitungen schreibt sie mit Vorliebe Glossen und Satiren über Schule und Bildung.   
   
Es ist für uns eine Zeit angekommen - Weihnachtslabsal   
   
Von Gabriele Frydrych   
   
Manche Leute monieren, dass es bereits im September Lebkuchen und Dominosteine zu kaufen gibt. Aber hohe Feiertage müssen gut vorbereitet werden! Seine Hochzeit plant man auch nicht erst drei Wochen vorher!   
   
Seit dem Altweibersommer werden also in der Lehrerfortbildung Weihnachtstänze geübt. Wir tanzen mit und ohne Kerzen zu „Jingle Bells“  und zum Lied vom Rentier mit der Säufernase. Gleich danach werden hektisch die Tanzschritte notiert, damit man sie am nächsten Tag den Schülern vermitteln kann.  Die Weihnachtsfeier in der Schule kommt schneller, als man denkt.   
   
Die Theatergruppe übt bereits unermüdlich den Sketch von Loriot, den mit  der harmonischen Familie unterm Tannenbaum und dem niedlichen Atomkraftwerk. Alle Kollegen basteln mit ihren Klassen für den Weihnachtsbasar. Nur der Sozialkundelehrer weigert sich, diesen Konsumrummel mitzumachen. Das ist eine Ausrede. In Wirklichkeit ist er so ungeschickt, dass er sich schon beim Kofferraumöffnen die Finger verletzt.   
   
Im Lehrerzimmer türmen sich Watteberge, seltsame Gebilde aus Goldfolie und selbst genähte Jutesäcke. Die Deutschfachleiterin stapelt auf ihrem Platz Adventslyrik und Weihnachtsprosa. Aus dem Musiksaal erklingen – wohl gemerkt, es ist September – besinnliche Weisen in Rock- und Pop-Fassung. Schüler bringen den „Little Drummer Boy“ zu Gehör. Leider hatte ein Knabe die Idee, das Stück auf seiner Posaune zu begleiten.  Er hat seit drei Monaten Unterricht. Ob man dem Musikkollegen davon abraten sollte? Seine Künstlerseele ist so empfindsam. Er wird es mit Sicherheit wieder falsch verstehen und monatelang nicht mehr grüßen.   
   

Schon im November übt der pensionierte Lateinlehrer für seinen alljährlichen Auftritt als Nikolaus. Er wird dann mit Rauschebart und im alten roten Bademantel, der über dem Bauch ziemlich spannt, im Schultor stehen und den Kindern Schokoladenengel überreichen. Früher haben sie ihm nicht so aus der Hand gefressen.     
   
Vor den Feiertagen wird auch dem neuen, dynamischen Schulleiter ganz süßlich ums Herz. Er schreibt Dankesbriefe an seine Untergebenen und lobt wenigstens einmal im Jahr ihre Arbeit. Bittet um Verständnis für erlittenes Ungemach und künftige Mühsal.  Aber auch zu Weihnachten kommt er nicht ohne kleine Seitenhiebe aus. Immerhin erwartet er nicht, dass er Trinkgeld bekommt. So, wie der Briefträger, der Hausmeister, der Zeitungszusteller, die Müllmänner. Sie hängen einem hektographierte Glückwünsche in den Hausflur. Einer hat gleich seine Kontonummer mit angegeben.   
   
Ein Wochenende lang fülle ich Umschläge mit prägefrischen Geldscheinen. Klebe sie an den Briefkasten für den Postboten, an die Wohnungstür für den Zeitungszusteller und an die Mülltonnen für die Männer mit den orangen Schürzen, die in der Vorweihnachtszeit immer so nett grüßen. Schade eigentlich, dass Lehrer kein Trinkgeld bekommen. Bei den 250 Schülern, die ich unterrichte, würde da ein nettes Sümmchen zusammenkommen, ein kleiner Ausgleich für das stark reduzierte Weihnachtsgeld. Sophia schenkt mir  immerhin einen zerbrochenen Lebkuchenmann aus ihrer aktuellen Backkollektion. Und Emma malt mir ein weißes Reh mit einer Kerze auf dem Kopf.  Das Ideelle zählt!   
   
Bei den Einkäufen gibt es jetzt nützliche Geschenke für den Stammkunden. Ich besitze bereits sieben Apotheken-Kalender, ein Stück Seife in Engelsform, einen Elch aus Hartmarzipan und jede Menge Früchtebrot und Stollen. Im Briefkasten finde ich nur noch Spendenaufrufe und Bettelbriefe, z.B. von der Vereinigung zum Schutz des Kabeljaus, vom Beamtenhilfswerk – und dieses Jahr erstmalig auch vom Schulsenator, der Fortbildungen und Förderkurse finanziert haben möchte. Etliche Hilfsorganisationen haben dezente Adressaufkleber mit goldenen Sternen  für mich produziert, um mich zum „Dukaten-Ablegen“ zu animieren.     
   
In den Familien wird gestritten, wer sich in diesem Jahr der verbitterten Großtante annehmen und wer den Karpfen schlachten muss. Die Zeitungen geben die Telefonnummern der Krisendienste bekannt, falls das Weihnachtsfest nicht ganz so friedlich ausfällt. Die Kollegen in der Schule tauschen Feinschmeckerrezepte aus und organisieren Besäufnisse, pardon, Weihnachtsfeiern. In ihren Springstunden rennen sie zu Eduscho oder Tchibo und suchen in den Sonderangeboten nach fehlenden Geschenken. Die Bons muss man sorgfältig aufheben, damit nach Weihnachten umgetauscht werden kann. Klassenlehrer haben das Vergnügen, mit ihren Schülern wilde Weihnachtsfeiern zu gestalten. Aus den Klassenzimmern dröhnen Rap und türkische Bauchtanzmusik. Die Schüler streiten sich um die vier schuleigenen Kassettenrecorder. Eine Kollegin bekommt von ihrer 10. Klasse einen Tanga, der im Dunkeln leuchtet.  Leider will sie ihn bei der Kollegiumsfeier nicht vorführen, obwohl wir sie sehr bitten.   
   
Für ihre Graffitis im Schulgebäude benutzen die lieben Kleinen jetzt goldene Eddings. Der Filmraum ist ständig ausgebucht. Zu spät merkt die Deutschlehrerin, dass in dem Video, das ihr die Schüler als schönen Weihnachtsfilm aufgedrängt haben, der Teufel auf die Erde kommt und einen Sohn zeugt. Und das kurz vor dem Christfest. Gleich am ersten Schultag werden Eltern auf der Matte stehen, um sich zu beschweren.   
   
Zum Basar und zur Weihnachtsfeier erscheinen nur wenige Mütter und Väter. Also kaufen die Lehrer notgedrungen all die schönen Dinge, die sie mit den Schülern vorher gebastelt haben. Heftig applaudieren sie den kulturellen Darbietungen, damit die Kinder nicht enttäuscht sind.   
   
Der Klassenlehrer beschließt, Koljas Tadel vor den Ferien nicht mehr rauszuschicken. Er will dem lieben Kleinen das Fest nicht verderben.   
   
Frohe Weihnacht überall!
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