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Hitlers MEIN KAMPF im Unterricht behandeln
Die Debatte um den Umgang mit Hitlers "MEIN KAMPF" wird härter. Hintergrund ist der Ablauf des Urheberschutzes zum Ende des Jahres. Aus diesem Grund wird eine wissenschaftlich kommentierte Version der Nazi-Hetzschrift erscheinen.   
     
Der Deutsche Lehrerverband Link spricht sich deshalb für eine Thematisierung von MEIN KAMPF im Schulunterricht aus. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte, er befürworte, dass Textauszüge behandelt werden. Schließlich werde Verbotenes sonst erst recht interessant für die Schüler.     
     
Besser sei, dass versierte Geschichts- und Politiklehrer die Rezeption anhand von Textauszügen mithilfe der kommentierten Buchversion steuern. Eine Behandlung sei mit Schülern im Alter ab 16 Jahren denkbar, um sie gewisser Weise gegen Extremismus zu immunisieren. Gleichzeitig fordert der Verbandschef die Kultusministerkonferenz auf, einheitliche didaktisch-methodische Rahmenempfehlungen für die Behandlung des Themas im Unterricht zu erarbeiten. Gegen solche Vorschläge sprechen sich beispielsweise vehement Vertreter des jüdischen Glaubens aus.   
   
Der Thüringer Lehrerverbands lehnt ebenfalls die Behandlung von Hitlers Werk ab. Damit widerspricht die Interessenvertretung dem Deutschen Lehrerverband. Landeschef Rolf Busch sagte MDR THÜRINGEN, die Lehrer im Freistaat seien gut in der Lage, mit dem Stoff umzugehen, ohne dass sie mit dem Werk an sich arbeiten müssen. Es gebe genügend Bezüge und Erklärungen. Es sei nicht notwendig, sich mit dem autobiografischen Werk zu beschäftigen, um den Nationalsozialismus zu erklären.   
   
Bildungsministerin Birgit Klaubert (Die Linke) überlässt es generell jedem Thüringer Lehrer, ob er "Mein Kampf" im Unterricht thematisieren möchte. Auch bietet das Thillm Weiterbildungen dazu an. Klaubert fordert aber eine generelle Entscheidung der Kultusministerkonferenz zum Umgang mit der kommentierten "Mein Kampf"-Ausgabe im Schulunterricht. Ihr persönlicher, humanistischer Anspruch und der Respekt vor den Millionen Opfern der Nazidiktatur sagten allerdings "Nein" zur Verwendung im Unterricht. Dem widerspricht jedoch der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff, der sehr wohl eine Behandlung von "Mein Kampf" im Schulunterricht fordert.   
   
Nach jahrzehntelangem Verbot durch den Freistaat Bayern darf Hitlers "Mein Kampf" nun wieder frei gedruckt und verkauft werden. Nach 70 Jahren ist das Urheberecht erloschen. Angekündigt ist eine kommentierte Ausgabe des Instituts für Zeitgeschichte.   
   
Der Buchhandel will zurückhaltend mit der wissenschaftlich-kritischen "Mein Kampf"-Ausgabe umgehen. Die Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nora Milenkovic, sagte MDR THÜRINGEN, Missbrauch müsse vorgebeugt werden. Sie spreche sich dafür aus, dass der Buchhandel das Werk von Adolf Hitler nicht offensiv präsentiert. Stapel im Eingangsbereich sollte es ihrer Meinung nach nicht geben und auch in "Bestseller-Regalen" habe das Werk nichts zu suchen, sagte Milenkovic. Allerdings sei es genauso wichtig, dass in einem freien Land das Buch ungehindert bestellt werde können, gerade für universitäre, wissenschaftliche Zwecke.   
Der Erfurter Buchhändler Peter Peterknecht sieht das ähnlich. MDR THÜRINGEN sagte der Einzelhändler, im Regal mit den Geschichtsthemen wolle er "Hitlers Machwerk" keinesfalls unterbringen. "Wir werden dieses Buch nicht am Lager führen und keine Stapel bilden oder Sonstiges. Wir werden uns aber auch nicht als Zensoren aufführen. Jeder, der das Buch bestellen möchte, kann es bestellen", so Peterknecht.
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